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„Unterkärnten“ ist ein historischer Begriff, der sich auf den südlichsten Teil des österreichischen Bundeslandes Kärnten bezieht. Dieser liegt südlich der Drau. Diese Region war in der Vergangenheit ein wichtiger Teil des Habsburgerreiches und spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte Österreichs. Hier ist ein Überblick über die Geschichte von Unterkärnten:
Antike und Mittelalter: Die Besiedlung von Unterkärnten reicht bis in die Antike zurück, als die Region von keltischen und später römischen Siedlern bewohnt wurde. Im Mittelalter war Unterkärnten Teil des Herzogtums Kärnten, das zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Die Stadt Klagenfurt, die Hauptstadt von Kärnten, wurde im 12. Jahrhundert gegründet und entwickelte sich zu einem wichtigen Handelszentrum.
Herrschaft der Habsburger: Im Laufe der Jahrhunderte wurde Unterkärnten von den Habsburgern regiert, die eine der mächtigsten Dynastien Europas waren. Die Habsburger nutzten Unterkärntens Ressourcen und schätzten es wegen seiner strategische Lage; denn die Region war auch ein wichtiger Schauplatz während der Türkenkriege, als die osmanischen Truppen versuchten, in das Habsburgerreich einzudringen. Hinzu traten kriegerische Übergriffe von Aufständischen und Piraten von der Adria aus.
Reformation und Gegenreformation: Während der Reformation im 16. Jahrhundert spielte Unterkärnten eine wichtige Rolle, da sich viele Einwohner – Adelige, Bürger und die zahlenmäßig vorherrschenden Bauern – der neuen protestantischen Bewegung anschlossen. Die Habsburger reagierten darauf im ausgehenden 16. Jahrhundert mit der Gegenreformation und setzten sich dafür ein, den katholischen Glauben wiederherzustellen. Dieser sollte ein einigendes Band um die verschiedenen Bevölkerungsteilen schlingen und so die zunehmende verwaltungsmäßige Zentralisierung innerhalb von Innerösterreich vorantreiben.
Dies führte zu Spannungen und Konflikten, die sich – fern von Unterkärnten – im Dreissigjährigen Krieg von 1618-1648 entluden, aber die sich auch in Unterkärnten selbst ausbreiteten. Eine praktisch erwzungene Re-Katholisierung unter Adeligen, Bürgern und Bauern setzte ein. Wer beim protestantischen Glauben bleiben wollte, suchte sein Heil in der Flucht. So kam es zu einer Fluchtmigration von rund 800 Adligen aus den innerösterreichischen Gebieten der Steiermark und Kärntens im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert.
19. und 20. Jahrhundert: Im 19. Jahrhundert – 1804 – wurde Unterkärnten Teil des österreichischen Kaiserreichs. Während des Ersten Weltkriegs spielte die Region eine strategische Rolle an der Frontlinie gegen das Königreich Italien. Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kärnten Teil der Republik Österreich und setzte sich in der Kärntner Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 im Wesentlichen gegen Begehrlichkeiten des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) durch, musste aber Gebiete an Italien und Jugoslawien abtreten. Der SHS-Staat hatte in der Dominanz der slowenischen Sprache in Unterkärnten einen Grund erblickt, sich diese Region mit militärischer Gewalt territorial einzuverleiben. Dies bildete in den folgenden Jahrzehnten einen mal nur schwelenden, mal stärker aufglimmenden Quellgrund des später aufflammenden Sprachenstreits zwischen dem deutsch- und dem slownischsprachigen Bevölkerungsteil.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit: Während des Zweiten Weltkriegs wurde Unterkärnten von deutschen Truppen besetzt, da Österreich Teil des Deutschen Reiches war. Die Besetzung erfolgte gegen heftigen Widerstand von vor allem des slowenischstämmigen Teiles der Bevölkerung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Region von den Alliierten befreit und kehrte unter österreichische Verwaltung zurück. Mit dem Kriegsende begann für die Region eine Phase des Wiederaufbaus und der wirtschaftlichen Entwicklung. Bildungspolitisch durchlebte Unterkärnten nach einer Phase der schulischen Begünstigung der slowenischen Sprache eine Ära der vergleichsweisen Schlechterstellung gegenüber der deutschen Sprache. Der politisch angefachte Sprachenstreit, der im Ortstafelstreit der 1970er Jahre einen ersten Höhepunkt fand, verebbte nach nochmals aufwallenden politischen Querellen zwischen österreichischer Bundesregierung und Land Kärnten zunehmend bis zum Beginn der 2010er Jahre. Die minderheitenfreundliche österreichische Bundesregierung konnte sich gegen einzelne landespolitische Ansichten mit Rückgriff auf Volksbefragungen zu guter Letzt und im Einvernehmen mit den Kärntner Volksgruppen im Jahr 2011 durchsetzen. Trotz zahlenmäßiger Einbußen an Sprecherinnen und Sprechern ist das Slowenische gerade im Jauntal auch heute recht weit im Alltagsleben verbreitet.
Heute ist Unterkärnten eine landschaftlich reizvolle Region, die für ihre malerischen Dörfer, historischen Städte und kulturellen Sehenswürdigkeiten bekannt ist. Die Region ist auch für ihre Traditionen, Bräuche und lokale Küche berühmt und zieht jedes Jahr Touristen aus der ganzen Welt an.
Weiterführende Literatur zur Geschichte Kärntens und Unterkärntens
Online
- Carl Bethke: Kroatien (Stand 09.02.2021). In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europas als An-Institut der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. 2014
- Ulfried Burz: Kärnten (Stand 12.10.2021). In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europas als An-Institut der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. 2014
- Vanessa Hannesschläger: Slowenien (16.7.2021). In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europas als An-Institut der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. 2017
- Joachim Hösler: Krain (14.10.2021). In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europas als An-Institut der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. 2014
- Friedrich Leitner: Kurzer Abriß der Kärntner Geschichte vom Frühmittelalter bis 1920. In: Österreich-Journal, 6.9.2012
- Kathrin Pavic: Jugoslawien (Stand 25.01.2022). In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europas als An-Institut der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. 2014
- Katja Sturm-Schnabl, Bojan-Ilija Schnabl: Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška. Von den Anfängen bis 1942. Wien – Köln – Weimar: Böhlau, 2016.
– Band 1: A-I
– Band 2: J-Pl
– Band 3: Po-Z - Evelyne Webernig, Wilhelm Wadl, Wilhelm Deuer: Kärntner Landesgeschichte. Von den Anfängen bis 1918. Skriptum. Kärntner Verwaltungsakademie, Klagenfurt, 2008
Wikipedia-Einträge
- Geschichte Kärntens
- Geschichte Karantaniens
- Geschichte Krains
- Kärntner Abwehrkampf
- Kärntner Slowenen
- Slowenen in Österreich
- Geschichte Österreichs
- Geschichte Sloweniens
Bücher
- Andreas Moritsch (Hrsg.): Alpen-Adria. zur Geschichte einer Region. Klagenfurt: Hermagoras, 2001
- Katja Sturm-Schnabl, Bojan-Ilija Schnabl: Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška. Von den Anfängen bis 1942. Wien – Köln – Weimar: Böhlau, 2016.
- Hellwig Valentin: Kärnten. Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Innsbruck-Wien: Haymon, 2011
Kurzfassung von: - Hellwig Valentin: Der Sonderfall. Kärntner Zeitgeschichte 1918–2004. Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt/Ljubljana/Wien 2005 (vergriffen)
Weiterführende Literatur zur Geschichte Bleiburgs
Wikipedia-Eintrag
Bücher
- Gottfried Glawar: Geschichte Bleiburgs. Mit Sagenschatz des Kärntner Unterlandes. Bleiburg: Eigenverlag G. Glawar, 2., erweiterte Ausgabe 1991 (vergriffen)
- Othmar Mory: Momente aus Bleiburgs Geschichte. Bleiburg: Eigenverlag O. Mory, 2008 (vergriffen)
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